Am 7. Oktober 2023 hat die islamische Terrororganisation Hamas das israelische Staatsgebiet angegriffen und dabei über 1.400 Menschen zum Teil auf grausame Weise getötet.

Als Evangelische Jugend beobachten wir die Lage mit großer Sorge. Sie macht sprachlos und ohnmächtig. Doch wir wollen nicht in der Sprachlosigkeit verharren. Darum teilen wir Euch hier unsere grundsätzliche Haltung zu den Vorgängen mit. 

1. Wir verurteilen die Angriffe der Hamas und ihrer Unterstützer:innen aufs Schärfste. Wir sind entsetzt über die Gräueltaten, die nach und nach ans Licht kommen. Die Angriffe haben nichts mit einem sogenannten „palästinensischen Freiheitskampf“ zu tun, sondern sind purer Terror. 

2. Wir nehmen mit Bestürzung wahr, dass das Existenzrecht des Staates Israel immer wieder in Frage gestellt wird und dass sich seine Bewohner:innen in ständiger Angst um ihr Leben befinden müssen. Weil das für uns nicht akzeptabel ist, bekennen wir uns zur Solidarität mit Israel und dem jüdischen Volk. Vor dem Hintergrund der Geschichte Deutschland kennen wir die Gefahren von Rassismus und völkischer Ideologie und verpflichten uns, dem entgegenzutreten.  

3. Wir unterstützen die Haltung, dass der Staat Israel das Recht und die Pflicht hat, seine Bewohner:innen zu beschützen und auch militärisch dafür Sorge zu tragen, dass Angriffe zukünftig verhindert werden. Wir mahnen, die Regeln der Genfer Konventionen und des Völkerrechts dabei nicht zu verletzen und sich immer auch von humanitären Maßstäben leiten zu lassen. 

4. Wir beklagen den Judenhass und Antisemitismus, der sich gegen das Volk Israel und gegen Juden und Jüdinnen weltweit richtet, auch bei uns in Gelsenkirchen und Wattenscheid. Wir finden es unerträglich, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland Angst haben müssen auf die Straße zu gehen. 

5. Wir sind uns als Evangelische Christ:innen bewusst, dass die Geschichte des Christentums den Antijudaismus begründet und zu seinen schlimmsten Auswüchsen beigetragen hat. Die jüdische Wurzel unseres Glaubens ist uns in der theologischen und spirituellen Praxis immer präsent. 

6. Wir beurteilen die Sachlage nicht einseitig. Aus unserer Sicht haben israelische Regierungen Fehler gemacht, die den Friedensprozess in der Region bis heute behindern. Die Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung gehört ebenso dazu, wie die Ausweitung der Siedlergebiete und die radikale Haltung der derzeitigen Regierung. Eine solche Haltung trägt zur Eskalation von Konflikten bei. 

7. Wir sehen, dass die Konflikte auch von außen geschürt werden. Wir beklagen, dass das Leid Menschen trifft, die damit nichts zu tun haben wollen und unter anderen Umständen sicherlich friedlich miteinander umgehen und leben würden. 

8. Wir verstehen, dass die Menschen, die sich auch bei uns aufgrund ihres Glaubens und ihrer Herkunft mit den Menschen im Gaza Streifen identifizieren, die Perspektive der Palästinenser:innen einnehmen. Wir hoffen, dass es in den Familien und Gruppen Menschen gibt, die, bei aller Kritik, ein gutes Wort für Frieden und Verständigung einlegen. 

9. Wir schauen mit Sorge darauf, dass diese Konflikte auch woanders, zum Beispiel in unserer Region ausgetragen werden könnten. Wir denken voller Dankbarkeit an die vielen Kontakte und Veranstaltungen mit unseren islamischen und jüdischen Partner:innen. Zuletzt das interreligiöse Dankefest am La Palma, der interreligiöse Kulturabend im Leibniz-Gymnasium Buer oder der geplante Friedensweg der Religionen am 24. Oktober. Wir hoffen, dass sich solche Begegnungen auch in schwerer Zeit als gute Basis für Gespräch und Kommunikation erweisen. 

10. Wir beten, dass die beteiligten Gruppen auf den Friedensweg, der in den vergangenen Jahrzehnten immer auch fruchtbare Ergebnisse gebracht hat, zurückfinden. Wir hoffen, dass die geplanten militärischen Aktionen sich auf das Allernötigste beschränken und alle weiteren Optionen ergriffen werden. Wir wissen, dass der Friede viel Zeit, Geduld, Mut und vor allem Bereitschaft braucht, aufeinander zuzugehen. Wir sehen keine Alternative, als diesen Weg zu wählen und sind immer bereit, ihn mitzugehen. 

Gelsenkirchen und Wattenscheid im Oktober 2023

 
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Letzte Änderung 11.10.2021